Ich gebe „Küchendeutsch“

Da wurde ich gefragt, ob ich Akram denn beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen könnte.
Naja, ich habe keine acht Semester Germanistik mit einem Abschluss als Studienrätin – ich stamme aber aus der Gegend, wo man das sauberste und klarste Deutsch spricht!! ( Hannover – Braunschweig!) Der Zeitrahmen von einer Stunde pro Woche bei mir zuhause war schnell besprochen, ebenso, dass ich kein Unterrichtsmaterial nacharbeite oder Grammatik einübe. Los gings. Am Küchentisch. Mit all den Küchengeräten, die so absonderliche Namen haben wie „Kartoffelstampfer“ oder „Schneebesen“.
In einer nächsten Stunde waren Farben, Formen, Gegensätze dran. Unsere Umlaute ä, ü, ö sind wohl ziemlich schwierig auszusprechen, ebenso Worte mit „st“ oder „sch“. In meiner Heimat kein Problem, der „Stuhl“ wird mit dem „s-pitzen-S-tein- gestolpert- „St“ ausgesprochen und nicht „Schtuhl“. Manche Leute glauben, wir hätten einen S-prachfehler!! →
Nächste Stunde: Geschäftsbummel in Gummersbach. In einem großen Drogeriemarkt haben wir uns z.B. alle Angebote von Waschmitteln angesehen. Fünf Angebote z. B. von Waschmitteln für Buntes – alles dasselbe aber unterschiedlichste Preise. Inzwischen hat Akram Arash mitgebracht. Der bekam leuchtende Augen als wir im Haushaltswarengeschäft waren bei Schrauben, Nägel, Dübel, Sägen, Zangen… und „hier kannst du auch nur einen Nagel kaufen und nicht ein Paket mit einhundert. Abschluss von solch lebenskundlichen Stunden: Im Café Kaffeetrinken und selber bestellen. Ja und so erobern wir uns zusammen mit viel Lachen und Lernen die Umgebung: Im „Haushaltswarenauflösungsgeschäft“ kann man handeln ( 1 Weinglas = 1 €).Ansonsten gilt: was dransteht muss bezahlt werden.
In der Bücherei habe ich mir ein Bildwörterbuch ausgeliehen, denn Bild in Verbindung mit Wort lässt sich leichter merken, „Küchendeutsch“ macht nicht nur mir Spaß sondern auch meinen lernwilligen und aufmerksamen Beiden. Vielleicht macht mein Bericht ja auch anderen Mut so etwas zu tun, denn es gilt: ein jeder diene mit seinen Gaben.

Eva Schrader,
Arbeitskreis Familienhilfe Gummersbach